Zurück von der Ostsee

Da bin ich wieder und ich bin ja überrascht, dass sich hier noch nicht spontan ein Regenwald der gemäßigten Breiten gebildet hat. Aber das ist ein anderes Thema. Also ich bin zurück. War ein paar Tage an der Ostsee bzw. an den Boddengewässern rund um den Darß. Das ist nun eindeutig nicht die schlechteste Umgebung für Naturfotografie, allerdings hatte ich keinen echten Plan was ich denn fotografieren will. Die Idee war: Einfach mal schauen und Urlaub machen…

Gleich am ersten Abend gab’s einen netten Gewitteraufzug überm Boddengewässer. Ein gern gesehenes Motiv. Sehe ich hier in Bonn sowieso viel zu selten. Was vor allem daran liegt, dass sich mein Interesse Gewitter zu fotografieren antiproportional zur Menge an störenden Zivilisationsspuren entwickelt. Und weil hübsche Gewitterwolken meistens recht viel Weitwinkel brauchen… Nun ja!



Ab jetzt gibt’s hier keine chronologische Ordnung mehr, sondern pures Chaos. Habe sowieso den Überblick verloren was ich wann gemacht und fotografiert habe. ;)

An einem Morgen, ich glaub es war ein Morgen, an dem ich dachte, dass ich es mal bei Sonnenaufgang – der ist übrigens echt früh dort oben rechts auf der Karte – mit dem Wald probiere (zum Wald dann später hier im Beitrag mehr) und vor Ort dann entschieden habe, dass das nicht funktionieren wird und bei den Bedingungen auch niemals funktionieren kann, bin ich dann weiter Richtung Meer geradelt.

Während ich dann dort so den Hirschen beim Rumhirschen zugeschaut habe (auch dazu später mehr) und meinen Blick immer mal wieder über die Landschaft habe schweifen lassen, ist mir dieser nette Fuchs aufgefallen, der in der Ferne im Gegenlicht über eine Sandbank spaziert ist. Hat wohl nach essbarem gesucht. Irgendwelche angeschwemmten Dinge. Eine Szene genau nach meinem Geschmack.



Etwas früher am selben Morgen und als ich genau dasselbe gemacht habe, nämlich schauen was sich so tut abseits der Hirsche, hat mir auch diese Szene hier sehr gut gefallen. Nette Nebelschwaden über der Landschaft, cooles Licht, nette Bäume, ein Graureiher – der in die falsche Richtung spaziert – und überhaupt, genau meine Stimmung.



Und damit jetzt eine kurze Runde in den Wald. Ohne Wald geht’s einfach nicht. Vor allem dann, wenn der Wald so edel ist wie dort am Darß. Es geht doch – abgesehen natürlich von Birkenwäldern – einfach nichts über Erlenbruchwälder.

Das ist schon einfach faszinierend. Nicht nur weil die Anzahl an Stechmücken um dieses Jahreszeit einfach nur abartig ist, sondern vor allem deshalb, weil so ein Wald so richtig ursprünglich und wild wirkt. Fotografisch war’s allerdings ein bisschen der Endgegner. Wobei welcher Wald ist das nicht, wenn es keinen Nebel hat? Und den hatte ich leider nicht. Dabei bestanden sogar Chancen. Die Voraussetzungen hätten eindeutig schlechter sein können. Gab aber einfach keinen Nebel wo ich ihn gebraucht hätte. Ich hab’s trotzdem probiert und ein paar Fotos gemacht, die zumindest für den Blog dann doch gut genug sind. ;)







Ach ja, und weil der Kiefernwald teilweise auch ganz hübsch war und obwohl der Kiefernwald auch von Nebel und vor allem von Licht profitiert hätte, habe ich auch den dann nicht einfach links liegen lassen können.



Und damit wieder zum Meer! Zum Baden war’s noch nicht so richtig geeignet, aber fotografisch lässt sich bei Sonnenuntergang ja immer was machen. Vor allem wenn man sich auf Details konzentriert und/oder mit etwas längeren Belichtungszeiten rumspielt. Farblich auf jeden Fall sehr interessant. Sieht zwar alles recht ähnlich aus, aber was das betrifft, bin ich ja dank Birkenwaldsucht sowieso geübt. Also Meer!











Die Hirsche wurden ja schon erwähnt. Der Darß ist ja vor allem im Herbst richtiggehend überrannt von mehr oder weniger ambitionierten und motivierten Fotografen auf der Suche nach dem röhrenden Hirsch im Nebel bei Sonnenaufgang und so. Im Frühling hat’s die Hirsche natürlich auch.

Ich bin mir nicht so sicher ob ich ein kompletter Banause bin, aber ein Hirsch ohne Geweih ist einfach nicht so cool wie einer mit Geweih. Der Vergleich passt vielleicht nicht ganz, aber so ein bisschen ist das wie eine blühende vs. eine nicht blühende Orchidee. Vielleicht nicht ganz, aber fast.

Wenn man halt weiß, dass da theoretisch jetzt auch Fotos mit Geweihträgern entstehen könnten (also später im Jahr), dann wirkt es geweihlos einfach ein bisschen halb. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem und es ist auf jeden Fall ein Erlebnis.







Steine kann man übrigens auch fotografieren am Strand. Das macht auch Spaß. Da sucht man sich einfach einen dunklen Stein am Ufer, dort wo das Meer gerade noch Wellen hinwirft und wartet im Sonnenuntergang darauf, dass das letzte Licht und die Wellen in Kombination irgendwelche Dinge machen.



Als ob das mit den Hirschen jetzt nicht schon genug Wildlife gewesen wäre für meine Verhältnisse, kommen jetzt noch die ersten Vögel dazu. Schwalben sind doch einfach fotogene und dankbare Motive. Vor allem wenn sie sich so einfach fotografieren lassen, dass man sie wirklich im Detail erkennt. Und sie schauen auch so nett.





Nicht ganz so nett finde ich ja meistens Wildschweine. Vielleicht wäre es genauer zu schreiben: Nicht so ganz nett fand ich ja meistens Wildschweine. Seit dem Umzug von Marburg a. d. Lahn nach Bonn hat sich das ja so ein bisschen geändert. Die Aggroschweine damals in Marburg sind mir hier in Bonn noch nicht begegnet. Im Gegenteil, die waren immer recht sympathisch hier bei den doch eher seltenen Begegnungen.

Am Darß scheinen die Schweine auch von der gemütlichen Sorte zu sein. Hatte die ganze Zeit keine einzige ungute Begegnung, dabei hätte es mehr als genug Gelegenheiten gegeben. Gelegenheiten sie zu fotografieren gab es allerdings nicht so viele. Wildschweinfotografie ist aber auch jetzt nicht unbedingt eine Sache, die ich in meiner Zeit dort oben an der Ostsee irgendwie forciert hätte. Ein Foto habe ich trotzdem machen können. Inklusive “Oh-sind-die-süß”-Frischlingen.



Das ich Kiefern auch mag, hat man ja vermutlich schon gemerkt hier im Blog. Diese Gruppe fand ich auch ganz hübsch. So hübsch, dass ich sie auch ohne Licht fotografieren musste. Wäre sicher auch mal ein Motiv für bessere Bedingungen. Wie so vieles dort in der Gegend.



Das eigentliche Highlight der Tage an der Ostsee waren für mich weder Wälder, noch Hirsche, noch das Meer. Vögel waren es! Ich habe diese netten Sandregenpfeifer ja letztes Jahr auf Texel schon fotografieren dürfen. Dieses Jahr hat’s wieder geklappt! Der hier ist allerdings erstmal kein Sandregenpfeifer, sondern ein Flussregenpfeifer.



Noch spannender als der Flussregenpfeifer waren dann tatsächlich diese beiden Sandregenpfeifer am letzten Abend bei Sonnenuntergang. Das war einfach nur nett zu beobachten wie die beiden fleißig dabei waren frischen Nachwuchs zu produzieren. Ich war so fasziniert von dem ganzen Geschehen, dass ich sogar irgendwann wohl einfach nicht mehr daran gedacht habe mein Supertelezoom voll bis zum Anschlag auszunutzen. Faszinierend! Bester Abend seit Langem!









Eine nette Zeit war’s. Dafür, dass ich mehr oder weniger planlos unterwegs war und die Pläne immer erst recht spontan entstanden sind, bin ich eindeutig glücklich mit dem Erlebten und den Fotos. Wobei gerade mit dem Wald, da geht sicher noch mehr. Wenn die Gegend nicht gar so weit entfernt wäre, wüsste ich was ich demnächst wieder machen würde… ;)

Jetzt bin ich allerdings erstmal gespannt was sich hier so getan hat in der Natur. Wie riesig das Farn im Birkenwald inzwischen wohl ist? Ob die Roten Waldvöglein kooperativ sind? Mache ich dieses Jahr vielleicht endlich ein nettes Foto einer Breitblättrigen Stendelwurz? Mal sehen…

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3 Kommentare zu “Zurück von der Ostsee”

  1. Britta hat geschrieben:

    Hi Felix,

    ach, wie schön! <3 Da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll?!

    Der "Wetterfotograf" steht dir immer noch sehr gut! :-) Eine wunderschöne Wolkenformation, die du da eingefangen hast. Sogar in Bildkomposition! Ich kann dich aber gut verstehen, dass du hier in Bonn keine Lust dazu hast. Ich habe mich schon oft gefragt "Weshalb hast du diese Wolke nicht gesehen?". Dafür wohnen wir wirklich zu gebirgig.
    Als ich vor drei Jahren in Slowenien war und kampfhaft versucht habe, einen Sonnenaufgang zu fotografieren, da habe ich mir noch so gedacht: Nö, so tief im Tal möchtest du auch nicht wohnen, wenn sich immer vorzeitig die Sonne um 16 Uhr verabschiedet.
    Jedes Gebiet hat seinen eigenen Reiz. Und nach all diesen wunderschönen Fotos könnte ich durchaus verstehen, dass es dich wieder dort hinzieht.

    Eine etwas ungewöhnliche Farbe für dich, aber die Langzeitbelichtungen von dem Strand stechen wirklich heraus. Super eingefangen!!!

    Freut mich auch zu lesen, dass du die Bedenken gegenüber den Wildschweinen endlich abgelegt hast und sie so schön auf den Chip brennen konntest. Solange man den Frischlingen nicht zu nahe kommt, sind sie wirklich recht friedlich, bzw. sogar eher scheu. Ansonsten … sich langsam rückwärts entfernen! ;-)

    Ich bin kein großer Freund der Vogelfotografie, aber die Sandregenpfeifer sind echt putzig und es ist immer spannend, sie in gewissen Situationen zu sehen. Die haben ganz schön "zugetreten". Kein Wunder, dass du da alles um dich herum vergisst. *lach*

    Das sieht nach einem wundervollen Urlaub aus. Vielen Dank für die tollen Fotos und für´s Mitnehmen!

    Viele Grüße
    Britta

  2. Frauke hat geschrieben:

    Hi Felix,

    man, da hast du im Urlaub aber echt tolle Motive vor der Linse gehabt.
    Bild Nummer 1 von der Gewitterstimmung ist der Hammer und mein Favorit mit Abstand.

    Ja, Regenwald … viel fehlt dazu nicht mehr. ;-) Ich bin es so leid. Das ist der mit Abstand schlechteste Mai-Urlaub, an den ich mich erinnern kann, was das Wetter angeht. Aber hey, nächste Woche soll es ja was besser werden. Mal gucken, wie oft sich die Vorhersage bis dahin noch ändert.

    LG Frauke

  3. Felix hat geschrieben:

    Hey!

    Danke euch beiden!

    @Britta:
    Das “gebirgige” wäre nicht mal das Problem, mich stört mehr, dass man überall irgendwelche Spuren der Zivilisation drin hat. Ich finde ja auch den Ausblick vom Großen Ölberg oben einfach nur schrecklich, falls man nicht genau den richtigen Hochnebel hat… ;)

    Das mit den Tälern kenne ich auch. Die haben dann allerdings auch den Vorteil, dass man gar nicht erst bei Sonnenaufgang irgendwas probieren muss. :P

    Waren jedenfalls nette Tage dort oben. Nächstes Mal geht’s aber vielleicht eher wieder Richtung Nordsee, die ist so schön nah von hier…

    ===========

    @Frauke:
    Das mit dem Wetter ist echt so ein bisschen eine Qual dieses Jahr. Wieder echt gut an sich was Orchideen betrifft, aber wieder echt wenig Gelegenheiten Fotos zu machen. Ich hoffe ich erwische die Tage noch ein paar Bienen-Ragwurzen… Mal sehen.

    Viele Grüße,
    Felix